professorbunsens netzlabor

Man kann sich eigentlich nur wundern.

Kategorie: Über das Netzlabor

Huch…

…war gerade für’n Moment eingenickt.

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Verehrte Welt, lieber Leser!

Ich schreibe hier und die ganze Welt könnte es lesen. Ich schreibe hier, obwohl es — jedenfalls zunächst einmal — niemand lesen wird. 

Ich schreibe hier, weil es möglich ist.

In so einer Art Gegenentwurf zu Moppel Markworts „Faktenfaktenfakten und immer an die Leser denken!“ geht es mir hier um „Drauflosschreiben und immer an mich selber denken!“ Abgesehen davon, dass Markworts Satz natürlich Werbequatsch eine euphemistische Verkürzung ist für: „Egal wie, immer daran denken, dass möglichst viele Leute mein Magazin lesen müssen, damit die Einnahmen stimmen“ (=Old Media), geht es mir tatsächlich zunächst und vordringlich darum, meine Gedanken und Ideen aufzuschreiben. 

Wenn man sich mit anderen Menschen über das Bloggen unterhält, halten sich ein paar Vorurteile erstaunlich hartnäckig, die sich im Wesentlichen auf folgende zwei Sätze verdichten lassen: „Blogger sind doch eitle Fatzkes, die sich selber viel zu wichtig nehmen und nabelschauend und narzisstisch ihren Quark im Netz ausbreiten. Und überhaupt: Ich wüsste gar nicht, was ich da schreiben soll.“

Mag stimmen, ignoriert aber die Magie des Internet — um die es hier vermutlich im Wesentlichen gehen wird. Oh no! Selbstreferenz. Yet another Blog about Blogs and Stuff. Yep.

Warum mache ich das also?

1. Ich habe festgestellt, dass das Internet ein wunderbares Ordnungssystem ist, seit alles über durchsuchbare Datenbanken läuft und man Tags vergeben kann. Tags! Tags sind die großartigste Erfindung seit der Entdeckung des Pflaumenkuchen mit Sahne! Das Großartige an Ihnen ist: Sie funktionieren, anders als Pflaumenkuchen mit Sahne, ganz genau wie das Gehirn, in assoziativen Verknüpfungen und im Vorbeigehen. In dem Moment, wo man etwas wahrnimmt, verknüpft man es mit Assoziationen und zack! kann man es über diese Verknüpfungen wieder aufrufen, ohne sich vorher ein Karteikartensystem anlegen zu müssen und nur genau einen Ort zu haben, wo man die Information ablegen kann. Im Internet können die Dinge an vielen Stellen gleichzeitig sein! (Wenn das der große Luhmann noch hätte erleben dürfen.) Deshalb gibt es hier neben dem Blog auch noch meine letzten Tweets und Links und Fotos und demnächst bestimmt auch Musik. Ein Ort also, an dem zusammenkommt, was ich digital festhalten kann.

2. Warum mache ich das öffentlich? Zunächst einmal, weil das Internet überall und immer zugänglich ist. Zeit und Raum, die Grundkonstatenten des Erlebens der gegenständlichen Welt, spielen im Digitalen keine Rolle. Das Netz ist also eine Riesenmaschine, die Zeit und Raum aushebelt und das ist gut, weil es mir mehr Freiheit und mehr Möglichkeiten verschafft. Was — um hier im ersten Text neben Niklas Luhmann auch noch den zweiten meiner Säulenheiligen zu erwähnen — nach Heinz von Foerster ja überhaupt die Definition von „Gutes Tun“ ist (Ethischer Imperativ: „Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten größer wird!“). Darüber hinaus ist es so, dass die Dinge erst in der Kommunikation so richtig wirklich werden. Damit meine ich gar nicht vordringlich nur die Möglichkeit, hier zu kommentieren (was angesichts der Vertrollung des Webs ja auch ein sehr zweifelhaftes Vergnügen sein kann) sondern vor allem die Möglichkeit beispielsweise über meine Tweets auf dieses Blog zu stolpern, hier Dinge, die ich anderswo gesehen habe zu verlinken und zu kommentieren oder, weil im Netz ja alles und auf ewig auffindbar bleibt, Sachen, die ich hier schreibe bei Bedarf wieder aus dem Hut zu zaubern und anderen zuzuschicken, zu verlinken und so weiter. Und wer mich kennt und mag, kann hier einfach immer mal wieder nachlesen, was bei mir grad so los ist.

3. Der letzte Grund ist einfach. Wir erleben derzeit eine Zeitenwende. Ich gehöre zu einer Generation, die in einer analogen Welt groß geworden ist und in einer digitalen Welt alt werden wird. Wenn ich nicht darüber schreibe, platze ich.

Und dann ist Essig mit dem Altwerden.