professorbunsens netzlabor

Man kann sich eigentlich nur wundern.

Die falsche Erotik der Tatsachenentscheidung

„Tatsachenentscheidungen sind doch das Salz in der Suppe des Fußballs! Worüber sollen wir denn noch reden, wenn wir uns nicht mehr über so herrlich über Tatsachenentscheidungen streiten können?“

Das klingt romantisch, ist aber wie fast alles, was heute romantisch genannt wird, schlichter Kwatsch. Denn die Antwort auf diese rhetorische Frage ist einfach. Über Tatsachenentscheidungen. Über das, was der Schiedsrichter aufgrund der Zeitlupenbilder als Tatsache erachtet.

Oder glaubt tatsächlich jemand, wenn der Schiedsrichter seine Entscheidungen nicht mehr ausschließlich auf Grundlage seiner persönlichen Erinnerungen an die just erlebte Szene, sondern auch auf Grundlage der Zeitlupenbilder träfe, gäbe es keine strittigen Entscheidungen mehr? Ich glaube, folgende Sätze würde man trotzdem nur sehr selten hören: „Ach, das ist aber ausgesprochen schade, dass der Schiedsrichter sich in Zeitlupe angucken kann, was tatsächlich los war. Viel lieber hätte ich, dass er wie früher im Trüben stochert, weil er die Szene gar nicht sehen konnte!“ oder „Früher habe ich den Fußball ja gemocht, weil die Entscheidungen so unberechenbar und willkürlich waren. Aber heutzutage ist dem Fußball ja der ganze Zauber genommen wegen der Zeitlupe, die jetzt nicht mehr nur alle anderen, sondern leider auch der Schiedsrichter sehen darf.“

Ein ganz verwandtes Argument hört man ja auch immer mal wieder von Menschen, die sich vor einer Kamera ausziehen. „Ästhetische Erotik“ soll es dann sein, die „nicht alles zeigt, sondern auch noch etwas für die Fantasie übrig lässt.“ Auch diese Menschen müssen wohl etwas anderes meinen. Etwas wie: „Zugegeben, ich möchte die Leute reizen und auf mich aufmerksam machen. Aber nur innerhalb der gesellschaftlichen Regeln, damit niemand Anstoß nimmt.“ Was hingegen bestimmt nicht gemeint ist: „Immer, wenn ich meinen Geliebten noch leicht verhüllt sehe, geht die Fantasie mit mir durch! Wenn der Schlüpfer dann gefallen ist, verliere ich aber die Lust, weil mir partout nicht mehr einfallen mag, was man Aufregendes anstellen könnte.“

Wer so spricht, hat ein Kinderverständnis von Geheimnissen und glaubt offenbar nicht, dass es welche gibt. In so einer Welt gibt es eigentlich gar keine Geheimnisse, sondern bloß Täuschungen durch andere Menschen, die einem etwas vorenthalten.

Dabei ist doch eigentlich alles auf dieser Welt ein riesiges Geheimnis und verdammtes Wunder.

Mein zunehmendes Unbehagen den Massenmedien gegenüber

Wir werden diesen Monat die ZEIT kündigen. Das finde ich insofern bemerkenswert, als dass ich diese Zeitung seit zwanzig Jahren beziehe und sie mir lange Zeit die – ich glaube, das kann ich so sagen – wichtigste Informationsquelle über die Welt war. Was ich wiederum deshalb bemerkenswert finde, weil wir ja alles, was wir über die Welt wissen, aus den Medien wissen. Ich hätte mir bis vor kurzem daher gar nicht vorstellen können, auf ein regelmäßiges Zeitungsabonnement zu verzichten. Aber jetzt möchte ich plötzlich nicht mehr. Grundlegende Veränderungen passieren ja so, plaff, ist der Brockhaus weg, von der Wikipedia rechts überholt, wobei „plaff“ das Geräusch ist, das eine Phasentransformation macht.

Der Auslöser ist, dass ich nicht auch noch dafür bezahlen möchte, dass mir ein dicker Stapel Papier mit als Lifestyle und Schnitzeljagd verbrämter Uhrenwerbung ins Haus geschickt wird, in dem sich der Baron Guttenberg weitschweifig erklären kann. Diesen Mann muss man in der Öffentlichkeit weiträumig umschweigen.

Deshalb werde ich dazu auch nichts schreiben, sondern über etwas Grundsätzliches: Eine große Enttäuschung und grundlegende Erschütterung meiner Vorstellung, zumindest der bessere Teil der Massenmedien würde aufrichtig über die Welt Bericht erstatten wollen. Was mir mittlerweile regelrecht naiv vorkommt.

Die erste intensive Begegnug mit dieser Erschütterung hatte ich während der #zensursula-Debatte um Netzsperren. Schlimm war damals, dass die öffentliche politische Diskussion, wie sie in Zeitschrften und Fernsehen geführt wurde, vollkommen plump, falsch, unreflektiert, uninformiert und damit komplett anders verlief als die Diskussion im Netz, wo im Gegensatz dazu viel informierter, kritischer und reflektierter argumentiert wurde. Wie konnte das sein? Ganz schlimm dabei war, dass ich mir von Menschen, die sich nur über die traditionellen Massenmedien informiert hatten, haarsträubenden Quatsch in Diskussionen anhören musste. Am Schlimsten dabei aber war, dass sie dabei gar nicht gemerkt haben, wie sie von interessensgeleiteter Misinformation fehlgeleitet wurden.

Eine andere, ähnliche Erfahrung war die mediale Darstellung der Causa Finke vs. Schäfer beim 1.FC Köln. Offensichtlich war und ist beim Kölner Stadtanzeiger eine verdeckte Agenda am Werk, die meinungsstark und manipulativ eine ganz bestimmte Sichtweise der Dinge propagiert. Irrsinnig auch hier, dass Menschen, die nur den Stadtanzeiger gelesen und das ZDF-Sportstudio gesehen haben, diese schräge Sicht der Dinge übernommen haben und sich damit aber hintergründig und kritisch informiert gefühlt haben.

Und so wie mir geht es gerade sehr vielen Menschen. Deshalb bekommen die Piraten so viele Stimmen. Weil es reicht. Ganz ehrlich. Wir möchten uns nicht mehr so auf den Arm nehmen und verschaukeln lassen. Früher ging es ja nicht anderes, damals im prädigitalen Jahrtausend.

Jetzt aber gibt es das Internet, diesen wunderbaren Resonanzraum, der alles mit allem und jeden mit jedem überall und jederzeit verbinden kann! Und dank ihm und mit ihm und in ihm weiß ich diese Beispiele und kann sie hier aufschreiben und mitteilen. Und auf mein ZEIT-Abo leichthin verzichten und mich dennoch insgesamt viel besser informiert über die Welt (und diejenigen, die mich über die Welt informiert haben) fühlen.

Sonst wäre ich vielleicht noch so blöd wie früher und würde eine Buchwerbung mit einer politischen Debatte verwechseln.

Warum mich das iPad tief berührt

Zuweilen gerate ich, privat wie beruflich, in die Verlegenheit, die Fazination des iPad zu erklären. Mittlerweile glaube ich, das ist schnell erzählt.

(Um besser zu verstehen, was ich meine, muss man sich jetzt eine festliche Stimme vorstellen.)

Ich kann das Internet in den Händen tragen. Ich kann es anfassen. Und es berührt mich.

Fußball und die Schönheit des Möglichen

Mich etwas zu verlustieren
ging ich spielen, um zu verlieren
umgekehrt triumphieren ging ich
ich ging spielen, um zu verlieren.

Markus Berges, „Remscheid“

Niemand kann etwas für seinen Geburtsort und seine Herkunft und selbst über den Wohnort entscheiden heutzutage gerne schicksalhafte Zufälle. Deshalb hat sogar die Hingabe zum FC Bayern ihre Berechtigung – sofern man in München lebt. Zusätzlich mag es für Auswärtige biografisch begründete originelle Spezialgründe geben, sich gerade diesem Verein zu verschreiben, die vielleicht auch irgendwie halbwegs in Ordnung gehen, einem aber in etwa so sehr zur Ehre gereichen wie, sagen wir einmal, Werbung für Atomstrom zu machen.

Denn wer sich den Fußballverein danach auszusucht, wie häufig er gewinnt, zeigt zu wenig Liebe zum Spiel selbst, schließlich geht es beim Fußballgucken eigentlich nicht um das Gewinnen, sondern um das Verlieren.

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Hier schön im Bild: Die Möglichkeit eines Fußballspiels

Das liegt zunächst einmal daran, dass bei Sportveranstaltungen egal welcher Art zwangsläufig immer alle verlieren – außer dem einen natürlich, der gewinnt und damit alle anderen zu Verlieren macht.

Außerdem besteht insbesondere ein Fußballspiel insgesamt vor allem aus Nichtgelingen. Fast nichts klappt, selbst bei Weltklassemannschaften wird beinahe jeder Spielzug von den gegnerischen Reihen abgefangen und endet im Foulspiel oder im Abseits und falls nicht, dann landen die meisten Torschüsse dennoch nicht im Tor. Dieses konzertierte Mißlingen wird dirigiert vom kollektiven Wunsch nach der unwahrscheinlichen Ausnahme, dem Tor, das zugleich der einzige objektive Maßstab für Erfolg ist.

Über allem schwebt die Schönheit des Möglichen, der Wunsch nach dem Unwahrscheinlichen, die Idee des Gelingens. Die Gesamtheit eines Fußballspiels zerbricht in viele überwiegend unfertige Einzelteile: Stücke, aus denen etwas hätte werden können, mißlungene Versuche, Geistesblitze und Enttäuschungen, das dauerhafte Aufblitzen und Verschwinden von Möglichkeiten, all das setzt sich erst durch den Blick des Zuschauers und der Vorstellung, was sein könnte, zu einer schönen Gestalt zusammen.

Selbstverständlich gibt es dabei auch viele Beispiele des Gelingens, bloß sind sie die Ausnahme von der Regel des Scheiterns und glänzen dafür umso mehr. Anders als beim öden Eiskunstlauf, wo alle von der hässlichen Ausnahme eines Patzers hypnotisiert sind, geht es beim Fußball nicht um die Angst vor dem Mißlingen, sondern um die Lust an der Katastrophe des Gelingens und dem Wunsch und der Hoffnung auf dieses rare Glück.

Und wer sich da den FC Bayern aussucht, zeigt einfach einen langweiligen Mangel an Fantasie.

Obwohl vielleicht auch dort der Zauber der bis zur letzen Minute fast gewonnenen Championsleaugue 1999 die tiefsten Spuren in den Herzen hinterlassen hat.

Obligatorischer Disclaimer: Ich bin Anhänger des 1.FC Köln. Ich weiß also, wovon ich rede.

Foto: http://www.flickr.com/photos/tigion/ (CC BY-NC-SA)

Lob des Produktes: Steve Jobs Vorhölle und Staedtlers Schreiblernstift

Ich wollte es nicht tun.

Werft ihr dem gefräßigen Leviathan ruhig immer weiter Geld in den Rachen, habe ich gedacht, huldigt diesem cholerischen Ausbeuterkapitalisten wie eurem Propheten, ich jedenfalls werde die Biographie von Steve Jobs nicht kaufen. Hatte ich gedacht.


Apple Inc. (Symbolbild)

Dann habe ich nachts in einem schwachen Moment diesen Artikel im New Yorker verschlungen und einen Klick weiter war da der iBooks-Store und tja, naja, je nun, ihrwisstschon.

Jedenfalls habe ich es nicht bereut.

Warum das Buch prima ist, könnt ihr im New Yorker nachlesen, ich möchte ergänzen, dass man nicht nur viel über Jobs und Apple, sondern auch einiges über das Silicon Valley erfährt, dieses kleine Tal, in dem sie den Heimcomputer erfunden haben und in der Folge auch so ziemlich alles andere, was uns Digitaleinwohnern von heute die Welt bedeutet.

Einer parallel zum Niederschreiben dieses Satzes in meinem Kopf durchgeführten Spontanumfrage zufolge dürfte der Hauptkaufgrund für dieses Buch das Füllhorn abstruser Anekdoten sein, die Jobs Persönlichkeit illustrieren und es nahelegen, seine Biographie nicht als Kinofilm, sondern als Sitcom zu inszenieren. Etwa die, wo er als zottelhaariger und barfüßiger Kotzbrocken, der fälschlicherweise annimmt, seine frutarische Diät, also die ganze Woche nix essen und sich dann Sonntags bei den Hare Krishnas kostenlos den Bauch mit Äpfeln vollzustopfen, würde regelmäßige Körperpflege überflüssig machen, stinkend die Firma Pantone dazu bewegen möchte, exklusiv für das Plastikgehäuse des Apple II neben den drölfhundertsechsundfünfzig auf der Welt existierenden Beigetönen ein ganz neues, vermutlich vollkommen revolutionäres Beige zu entwickeln. Oder die, wo er sich im Krankenhaus, bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, aus einer Narkose herauswindet, nur, um sich mit schwerer Zunge in verwaschener Sprache unflätig zu beschweren, die Betäubungsmaske sei unpraktsch und hässlich.

Auf die Spitze getrieben steckt darin des grundlegende Verlangen nach Dingen, die funktionieren und schön sind, das von den Unternehmen dieser Welt regelmäßig mit Füßen getreten wird. Wer ein Telefon von Siemens besitzt, weiß, was ich meine. (Und auch Apple ist alles andere als unfehlbar, es sei denn man betrachtet iTunes als practical joke und gelungene Softwareanmutung der Vorhölle.)

Eine löbliche Ausnahme in dieser Hinsicht bildet der Schreiblernbleistift von Staedtler, den ich diesem Text deshalb überschwänglich loben möchte.

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iPhone, iPad (Symbolbild, nicht im Bild: iTunes)

Er ist ein Bleistift, der bleistiftiger nicht sein könnte. Ein Bleistift, der nichts anderes ist als ein Bleistift, der ganz hervorragend ist in allen Qualitäten, die einen Bleistift ausmachen.

Es schreibt und zeichnet sich mit diesem Schreiblernstift ganz vortrefflich, zunächst natürlich, weil seine Mine mit 2B etwas weniger hart ist als das Standard gewordene ausdrucksschwache HB, so dass der Stift nicht nur sanft über das Papier gleitet, sondern bei verschieden starkem Andruck auch unterschiedlich dunkle Grautöne ermöglicht. Der das Schriftbild erzeugende Abrieb ist dabei sinnlich erfahrbar, die Berührung zwischen Stift und Papier kann man gut erfühlen, zuweilen bilden sich kleine, pulvrige Graphitspäne, ohne, dass das Schriftbild dadurch verschmieren würde.

Die Mine ist in einen soliden Holzstab hineingefräst, was dem Stift ein angenehmes Gewicht und einen vortrefflichen Klang verleiht. Wenn man ihn beherzt auf der Schreibtischplatte ablegt, gibt es ein schönes Klacken, wirft man ihn eher achtlos hin, hört man ein hübsches Klirren und wenn man ihn in der Hand hin- und herbewegt, zuweilen auch ein feines Sirren.

Und man ist versucht, ihn häufig in die Hand zu nehmen. Das liegt nicht nur am dreieckigen Querschnitt, mit dem er prima in der Hand liegt. Der Stift hat auch ein gutes Gewicht, das haarscharf über federleicht liegt, so dass die Wahrnehmung zwischen „leicht“ und „aber irgendwie auch doch schwer“ pendelt und eine sehr angenehm anzufassende rutschfeste Gummischicht, die nachgibt, aber nicht zu sehr, so dass der Eindruck zwischen „weich“ und „aber irgendwie doch auch fest“ pendelt.

Mein Wunsch an die Produktdesigner dieser Welt ist einfach: Stellt eure Arbeit nicht kurz vor Ende ein und überlasst dem Rest dem Marketing. Macht solange weiter, bis der Gegenstand am Ende so ist, wie er sein soll. Und sagt nicht vorher: „Ach, egal.“ Denn es gibt Kunden, denen ist das nicht egal.

Und die sind dann glücklich, ganz unabhängig davon, ob es ein Computer oder ein Bleistift ist.

Über Kölsch

Eines der größten Mißverständnisse Kölsch betreffend ist, die Gläser hätten diese – von Einheimischen traditionell „Stangen“, von Besuchern traditionell „Fingerhüte“ genannte – Reagenzglasform, damit das Bier nicht so schnell schal wird. Das stimmt zwar, ist aber allenfalls eine Randerscheinung der magischen sozialen Alchemie, die sich in diesem schlanken Glaszylinder materialisiert.

Kölschstangen haben dieses Format zuvorderst, um die Dinge im Fluss zu halten.

Sie sind das Agens eines sozialen Systems, das sich über die wiederkehrenden Anknüpfungspunkte des Sichzuprostens und Ach-komm-eins-nehmen-wir-nochs immer wieder neu gestaltet. Heinz von Foersters Imperativ folgend („Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“) handelt es sich um die ethischste Glasform überhaupt. Hier geht es nicht um Getränkefrische, sondern um etwas ganz anderes, nämlich darum, Menschen immer wieder neu zusammenzubringen, was Konrad Beikircher – laut Jürgen Becker ja immerhin der Erfinder des Rheinlands – zu der einsichtigen Bemerkung geführt hat, es sei wohl kaum Zufall, dass man in Köln für „Bier“ und „Sprache“ dasselbe Wort verwende.

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Im Bergischen gibt es eine Hähnchenbraterei, die so beliebt ist, dass sich regelmäßig bereits eine Stunde vor Öffnung eine Warteschlange bildet. Der Wirt, der gerade den Ofen angeschmissen hat, reicht den Wartenden Kölsch heraus, und durch diesen magischen Trick verwandelt sich die Reihe Wartender in eine Gruppe Zuprostender und miteinander Redender.

Versuchen Sie das einmal mit Maßkrügen!

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Es muss doch noch mehr geben zwischen Himmel und Erde!

Ein Standardargument mit dem Irrsinnsquatsch, wie die Idee, das Gedächtnis des Wassers könne Krankheiten heilen, verteidigt wird ist ja oft: „Ja, Wissenschaftpopissenschaft, aber es gibt doch noch viel mehr zwischen Himmel und Erde, was wir Menschen nicht wissen können!“

Dem will ich ja gar nicht wiedersprechen.

Aber das gilt doch nur für die unentscheidbaren Fragen der Welt. Ob eine aberwitzig irrsinnige Verdünnung von Wasser Spuren im Gedächtnis des Wasser hinterlässt und ob so absurd behandeltes Wasser bestimmte Krankheiten zu heilen in der Lage ist, genau das gehört doch zu den Dingen zwischen Himmel und Erde, die man wissen kann, weil sie,  anders als beispielsweise die Frage, was ein gutes Leben ist, dem Experiment zugänglich sind.

Und wenn man dann, obwohl die Empirie dagegen spricht, an einer falsifizierten Theorie festhält, dann, ach, dann ist doch eh alles egal und man kann behaupten, was man will.

Huch…

…war gerade für’n Moment eingenickt.

Godwin und Gaschke

Ich glaube, es ist soweit. Im auf der FAZ-Seite gelöschten (aber noch im Google-Cache verfügbaren) Artikel  „Die Netzanbeter“ beschwört Susanne Gaschke die Gefahr einer navien Internetgläubigkeit. Der letzte Absatz beginnt so:

Es gibt wenig Gefährlicheres als ideologische Heilsversprechen, dafür hält gerade die Geschichte der Moderne schreckliche Beispiele bereit. Deshalb sollten wir uns den neuen Medien mit einem skeptischen Realismus nähern:[…]

Im Ernst: An welche ideologischen Heilsversprechen in der Geschichte der Moderne mag sie denken? Die Ideologie der Aufklärung? Die der Demokratie? Die Ideologie der Freiheit? Wohl eher nicht.

Das Wahrscheinlichste ist: Es ist ein versteckter Hitlervergleich. Schließlich ist es das Internet und das ist nicht nur kein rechtsfreier Raum, sondern hat auch seine eigenen Gesetze.

Was lernt man heute eigentlich in der Schule?

Als mir gerade meine autodidaktische irgendwie von selbst hingemurkelte Tastaturbedientechnik wieder einmal lästig wurde, kam mir die Frage: Lernen Kinder heute in der Schule eigentlich Schreibmaschine schreiben? Also moderne Schreibmschinen, Computer eben. Lernt eigentlich jedes Kind mit Selbstverständlichkeit eine Tastatur zu bedienen, um sich in der digitalen Welt flink und sicher bewegen und seine Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Dinge lenken zu können? Kann es sein, dass wir den kommenden Generationen diese grundlegende Kulturtechnik immer noch nicht beibringen?

(Und wenn man schon mal dabei ist: Bringen wir ihnen doch gleich auch noch bei, wie sowas wie Recherche geht. Statt impulsiv Fragen in die Welt zu trompeten, könnte man ja auch einfach mal googeln. Obwohl einfach mal so in die Welt trompeten heute ja auch eine Art Recherchemöglichkeit sein kann. Hach ja, die neue Weltmaschine Internet.)